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21. Mai 2022

Die Marmorplatten und ich (oder: alternative Nutzungsformen für eine Marmorplatte)

Heimweh– ein Helvetismus der ins Griechische übersetzt worden ist und zu Nostalgie wurde.

Nun leben wir schon seit 10 Tagen zusammen, eine kleine (Marble Square), eine grosse (Marble Rectangle) Marmorplatte und ich. Mich erinnern sie an meine Heimatstadt Athen, nicht nur wegen der Akropolis, sondern hauptsächlich wegen der, mit Marmor ausgekleideten Treppenhäuser in Athener Wohnhäusern. Ich erinnere mich an das Gefühl des Abkühlens beim Betreten dieser Plattenbauten und die Erleichterung, wenn man die flirrende Hitze hinter sich lassen kann. Wenn man dann so eine Wohnung betritt und die glitschigen Flipflops von den Füssen streift, die Füsse die Abkühlung auf dem kühlen Steinboden geniessen und man sich ein kaltes Glas Wasser aus dem Kühlschrank nimmt. Aaah, schön!

Aus diesen Erinnerungen und diesem Gefühl vom zuhause sein, mache ich mir nun Gedanken, wie ich mir diese Platten zunutze machen kann. Um das Gefühl des Abkühlens nachzuempfinden, könnte ich sie beispielsweise in die Tiefkühltruhe legen und nach einem langen Arbeitstag einfach mal meine Füsse darauf ablegen und etwas entschleunigen. Auch könnte ich mir darauf einen Dakos, eine kretische Spezialität mit Tomaten, Feta, Kräutern und Paximadi, zubereiten. Vielleicht könnte ich sie auch als Schreibunterlage verwenden und mich so etwas dem Gefühl annehmen, welches diese Marmorplatten bei mir auslösen. (Auf der Metaebene sind sie auch sehr gut als Schreibinspiration geeignet. Thema: Alternative Nutzungsformen einer Marmorplatte).

Pragmatismus und Dekadenz

Auf einer weniger nostalgischen Ebene denkend, kann man so eine Platte vorzüglich als Unterlage für einen Hundenapf nehmen. Insbesondere, wenn der Hund lange Ohren hat und die Ohren im Wassernapf versenkt, oder wenn er sehr ungestüm trinkt, würde ich hier die grössere Platte empfehlen. Sie fängt die meisten Tropfen auf und minimiert die Gefahr auf der Götschete des Hundes auszurutschen. Somit gebe ich ihr übrigens auch etwas den Status eines Sicherheitstools.  

Natürlich komm ich nicht drum herum, die Marmorplatten auch als ein Statussymbol für gehobenes Grillen anzuschauen, während meine Freund:innen Dosenbier trinken gehe ich mit einer Marmorplatte umher und serviere Dakos, marinierten Tofu und gefüllte Pilze und ernte dabei Komplimente und beneidende Blicke. Während sich die anderen mit Kartontellern begnügen, besitze ich nun mal eine marmorne Grillplatte. Dekadent, aber auch etwas nice, da es in unserer Gesellschaft doch ein bisschen meinen Selbstwert steigen lässt. Auf dieses Gefühl muss ich auch nicht verzichten, wenn der Sommer vorbei ist, ich kann nun nämlich auch mit einem dekadenten Untersetzer für warme Suppentöpfe oder für meine Blumentöpfe auftrumpfen, oder für beides, da ich ja nun zwei solche Platten besitze.

Letztens, an einem Sonntag, nach einer wilden Partynacht, wo bestimmt auch Verwendung für eine Marmorplatte gefunden worden wäre, lag ich ziemlich erschöpft im Bett. Netflix lief auf Hochtouren und mein Laptop war am Überhitzen, da dessen Lüftung von der Matratze und den Decken blockiert war. Auch in dieser Situation kam mir die Marmorplatte, als Unterlage für den Laptop, zu Hilfe.

Ich glaube, wenn es mir in meiner Dachwohnung nicht doch irgendwann zu heiss geworden wäre und ich die Platte nicht in die Kühltruhe gelegt hätte, um mich etwas abzukühlen und mir dadurch nicht Athen und der Dakos in den Sinn gekommen wären und ich nicht Feta einkaufen gehen musste, wir wären bestimmt immer noch dort.

Vor ein paar Tagen kam eine Freundin bei mir vorbei, ich sollte ihr helfen, ihre Masterarbeit zu fotografieren, kleine Büchlein und Daumenkinos…  Auch wenn ich es hier nicht ausschreibe, werden sich die Aufmerksamen unter euch wahrscheinlich nicht schlaflos darüber den Kopf zerbrechen vor welchem Hintergrund diese Büchlein abfotografiert wurden…

Zum Schluss gefolgert

Alles in allem hatten die Marmorplatten und ich bis jetzt also eine gute Zeit miteinander, wir schwelgten in Erinnerungen und haben auch proaktiv etwas gegen mein Heimweh unternommen, wir grillierten, bewältigten die Krise mit dem langohrigen Hütehund und dem rutschigen Boden, kühlten meine Füsse und meinen Laptop und entschleunigten dadurch auch meinen Geist. Wir halfen bei einem Kunstprojekt mit und waren auch für uns selbst kreativ beim Gedichte schreiben und philosophieren.

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